Kinderreime und Sprachentwicklung: Fünf spielerische Aktivitäten für zu Hause
Kein Wunder also, dass Kinderreime auch in der Sprachtherapie häufig als Einstieg genutzt werden: Sie regen Sprache auf natürliche Weise an, motivieren zum Mitmachen und schaffen Erfolgserlebnisse.
Warum sind Kinderreime so wertvoll für die Sprachentwicklung?
Sie unterstützen dein Kind in mehrfacher Hinsicht:
1. Kinderreime fördern das phonologische Bewusstsein
Durch Reime und Wiederholungen lernt dein Kind, Laute bewusst wahrzunehmen. Hat es Schwierigkeiten mit einem bestimmten Laut, können Reime, die diesen Laut häufig enthalten, beim Üben helfen – ganz ohne Druck.
2. Kinderreime erweitern den Wortschatz und das Sprachverständnis
Neue Wörter werden im rhythmischen Kontext leichter aufgenommen und behalten. Der feste Sprachrhythmus hilft deinem Kind, sich Wörter besser zu merken.
3. Kinderreime motivieren zum aktiven Mitmachen
Besonders beliebt sind personalisierte Reime, in denen der Name deines Kindes, Lieblingsgegenstände oder Alltagssituationen vorkommen. Auch erfundene Wörter wie „Pimpampum“ oder „Tippeltapp“ machen Spaß und regen die Sprechfreude an.
4. Wiederholung gibt Sicherheit
Kinder lieben Wiederholungen – und sie sind entscheidend für das Lernen. Wird ein Reim regelmäßig in unterschiedlichen Situationen gesprochen oder gesungen, festigen sich Laute und Wörter ganz nebenbei.
So setzt du Kinderreime zu Hause ein
Wie dein Kind Reime erlebt, hängt stark davon ab, wie du sie präsentierst. Mit ein paar einfachen Ideen kannst du Kinderreime besonders lebendig gestalten:
Spiele mit dem Rhythmus
Klatsche in die Hände, trommle auf den Tisch oder nutze ein Tamburin. Der Rhythmus macht Sprache körperlich erlebbar.
Übertreibe ruhig ein wenig
Betone Reimwörter oder schwierige Laute deutlich. Eine leicht übertriebene Aussprache erleichtert deinem Kind das Nachsprechen.
Verbinde Sprache mit Bewegung
Springt bei „Spring!“, dreht euch bei „Dreh dich!“ oder stampft bei bestimmten Wörtern. Bewegung unterstützt das Sprachlernen besonders effektiv.
Halte es einfach
Auch kurze, einfache Reime können große Wirkung entfalten. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die Freude am Mitmachen.
Was du beachten solltest
Damit Kinderreime ihre positive Wirkung entfalten können, ist eine entspannte Atmosphäre wichtig:
- Korrigiere oder schimpfe nicht, wenn ein Laut noch nicht richtig gelingt. Wiederhole den Reim stattdessen korrekt und gib deinem Kind ein positives Sprachvorbild.
- Übe keinen Druck aus. Wenn dein Kind zunächst nur zuhören möchte, ist das völlig in Ordnung. Oft beginnen Kinder nach mehrmaligem Hören ganz von selbst mitzusprechen.
- Die Freude steht im Vordergrund. Perfektion ist nicht das Ziel – sondern Sprachlust und Selbstvertrauen.
Fünf spielerische Aktivitäten mit Kinderreimen
Hier findest du praktische Ideen, wie du Kinderreime unkompliziert in euren Alltag integrieren kannst:
1. Personalisierte Reime erfinden
Dichtet gemeinsam kleine Verse mit Familiennamen oder Gegenständen aus eurem Haushalt:
„Mila mag den Apfel sehr,
beißt hinein und will noch mehr.“
Auch Fantasiewörter sind ausdrücklich erlaubt – sie fördern Kreativität und Artikulation.
2. Rhythmusspiele
Nutze Musikinstrumente oder Alltagsgegenstände wie Töpfe und Löffel, um den Takt zu klopfen. Das spricht mehrere Sinne gleichzeitig an und macht besonders viel Spaß.
3. Reime in Bewegung
Beim Spazierengehen, Treppensteigen oder Hüpfen kannst du Reime wunderbar einbinden.
Bewegung verstärkt die Merkfähigkeit und macht Sprache lebendig.
4. Reimsuche
Lies oder sprich einen Reim vor und mache vor dem letzten Wort eine Pause. Dein Kind darf das fehlende Reimwort ergänzen. Klappt es noch nicht, wiederhole den Vers fröhlich – ganz ohne Druck.
5. Visuelle Unterstützung
Verwende Bilder oder Gegenstände, um Reimwörter sichtbar zu machen. Bei einem Sternenreim kannst du einen Spielzeugstern zeigen oder gemeinsam einen auf ein Blatt Papier malen. So verknüpfst du Sprache mit konkreten Vorstellungen.
Fazit:
Kinderreime sind ein wirkungsvolles und zugleich einfaches Mittel, um die Sprachentwicklung und Kreativität deines Kindes zu fördern. Ihr Rhythmus, ihre Wiederholungen und ihre spielerische Leichtigkeit machen sie besonders zugänglich.
Entscheidend ist nicht, dass ein Reim perfekt aufgesagt wird. Viel wichtiger ist die Freude am gemeinsamen Sprechen, Hören und Erfinden. Denn genau in diesen Momenten wächst Sprache – ganz nebenbei.
Anna Biavati – Kinderlogopädin
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